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Eröffnungsfest³ - Festakt am 27.05.2022

Festakt

Zahlreiche Gäste und Ehrengäste sind der Einladung zum Festakt gefolgt, um den Abschluss von drei Hochbaumaßnahmen zu feiern: Der Erweiterung der Kindertagesstätte Vogelnest, Generalsanierung und Umnutzung des Erd-Hauses und der Neubau des Rathauses. Die Bläsergruppe mit fünf Musikanten dreier örtlicher Musikkapellen umrahmte dazu feierlich die prächtige Kulisse. Bürgermeister und Gemeinderat freuten sich über Gäste aus der Politik sowie zahlreicher Architekten und Ingenieuren ebenso wie über die Vertreter der an den Bauten beteiligten Handwerksbetriebe. Sie waren der Garant für eine gute Qualität bei den einzelnen Bauprojekten. Auch die Nachbarn der Baustellen sowie gemeindliche Mitarbeiter gehörten zum Gästekreis. Bürgermeister Theo Haslach begrüßte die Gäste und blickte zurück auf die Jahre 2009 bzw. 2010, wo die damals leerstehenden Gebäude „Erd-Haus“ und „Gasthof Löwen“ von der Gemeinde erworben wurden. Auch die Erweiterung der Kindertagesstätte Vogelnest wurde mit verschiedenen Grunderwerben ermöglicht. Heute kann die Gemeinde auf eine gute Ortsentwicklung zurückblicken mit einem „starken baulichen Mittelpunkt“. Nicht nur die Gebäude prägen den Ortskern, sondern der gesamte St.Anna-Platz, wo das Umfeld der St. Anna-Kapelle und die Markthalle im Erd-Haus mit dem Wochenmarkt ein zentraler Verknüpfungspunkt und Begegnungsbereich geworden sind. Schon Johann Wolfgang von Goethe definierte, was an einem Gebäude wichtig ist: Dass es am richtigen Fleck steht, wohl gegründet und vollkommen ausgeführt ist. Dies trifft für die fachwerklich hochwertige, terminlich korrekte und menschlich angenehme Zusammenarbeit aller Beteiligten am Bau zu. Sie waren auch der Garant dafür, dass die entwickelten Kostenberechnungen weitgehend eingehalten wurden. Für alle Hochbaumaßnahmen einschließlich einer Tiefbaumaßnahme beim neuen Rathaus wurden insgesamt 12,5 Mio. Euro investiert. Der Freistaat Bayern hat als starker Partner mit 4,2 Mio. Euro unterstützt und der Kur- und Kneippverein beim Erd-Haus mit 170.000 Euro. Die gemeindliche Eigenleistung beträgt somit ca. 8,2 Mio. Euro. Die Finanzierung erfolgte aus Eigenmitteln ohne Kredite.

Landrätin Indra Baier-Müller beschreibt das große Glück als ein Mosaik, was ein Werk aus vielen kleinen Steinen ist. Sie gratulierte der Gemeinde mit den abgeschlossenen Bauprojekten zu drei „sehr besonderen neuen Mosaiksteinen“. Darin spiegelt sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wieder. Die Dinge der Gesellschaft müssen sich immer wieder erneuern, Orte von innen heraus mit neuem Leben füllen und den Raum weiter entwickeln, damit auch nächste Generationen gut damit leben zu können. Die drei Bauprojekte runden das Bild der Gemeinde weiter ab und erhöhen die Lebensqualität vor Ort für die Bürgerinnen und Bürger und für die Urlauber. Das Erd-Haus ist ein Zeugnis der Vergangenheit und wurde durch die Hilfe vieler ehrenamtlicher Helfer saniert und ist heute ein wirkliches Kleinod. Damit ist ein Stück Heimat erhalten geblieben und mit seinen Funktionen ein echter Begegnungsort geworden, was die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Gesellschaft fördere. Die Gegenwart sieht man im neuen Rathaus. Nach viel Diskussion haben die Oy-Mittelberger im Jahre 2018 den Abriss des Gasthof Löwen entschieden. Das Rathaus ist Anlaufstelle für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, es ist Sitz der kommunalen Selbstverwaltung und auch Sitz der Politik. Die Gemeindeverwaltung stellt quasi einen Vollsortimenter dar. Symbol für die Zukunft ist die Kita Vogelnest, die sich im Raumangebot verdoppelt hat. Die Kinder wissen sich in schöner Umgebung hervorragend aufgehoben.

Der Vizepräsident des Bayerischen Landtages und Landtagsabgeordnete Alexander Hold ergänzt seinen Glückwunsch mit der Feststellung, dass die Gemeinde vorausschauend und langfristig unter Einbindung der Bürger die Voraussetzungen und die Akzeptanz geschaffen hat, eine attraktive Ortsmitte zu entwickeln. Ein Dorf lebt von seiner Mitte, da gehört das Rathaus mit dazu, welches sich in Oy-Mittelberg harmonisch in die Ortsmitte integriert. Der Freistaat hat den Neubau der Tiefgarage sowie die Außenanlagen um das Rathaus mit fast 1 Mio. € unterstützt, um den Ortskern lebendig weiter zu entwickeln. Das ist mit dem Erd-Haus auch gut gelungen; nicht nur für die Touristen, sondern auch von den Bürgern für die Bürger. Die Mithilfe der Vereine in der ersten Bauphase sei vorbildhaft. Die Gesamtkosten von 1,3 Mio. Euro für das Erd-Haus wurden in Höhe von 476.000 € über das Städtebauförderungsprogramm und über das Bayerische RÖFE-Programm mit 322.000 € mitfinanziert. Das Angebot der Kindertagesstätte Vogelnest wurde bei der Anzahl der Gruppen verdoppelt - nunmehr gibt es Platz für insgesamt 160 Kinder in vier Kindergarten- und vier Kinderkrippengruppen. Dabei wurden nicht nur die nach den Zuschussrichtlinien zwingend vorgeschriebenen Flächen gebaut, sondern zusätzliche Spiel- und Betreuungsflächen hergestellt.

Erd-Haus
1632 wird Oy im 30-jährigen Krieg fast vollständig niedergebrannt. Aus der Wiederaufbauphase stammt das historische, aber nicht denkmalgeschütztes Erd-Haus. Oyer Vereine halfen beim Ausräumen, was eine sehr staubige Angelegenheit war. Erste Überlegungen mit einer gastronomischen Nutzung waren nicht erfolgreich, um eine dauerhafte und lebendige Frequenz zu erhalten. Wenn ein Plan nicht funktioniert, so ändere den Plan, aber nicht das Ziel. So wurde das Ziel, das Tourismusbüro zu integrieren, mit einem Zuschuss von 170.000 € vom Kur- und Kneippverein Oy unterstützt. Die örtliche Bücherei mit der Unterstützung des ehrenamtlichen Bücherei-Teams unter Leitung von Claudia Probst wurde ebenso integriert wie die Markthalle und eine öffentliche WC-Anlage. Insgesamt war es planerisch eine sehr große Herausforderung, aus einem „alten Glump“, so Haslach, ein Schmuckstück zu entwickeln. Arch. Martin Hofmann erklärte, dass das Erd-Haus früher ein stattlicher Einfirsthof mit fünf Jochen war, der als Ständerbohlenbau mit 8 cm starken Bohlenwände als einzige Wärmedämmung errichtet war. Typisch für das Gebäude waren zwei Joche Wohnbau, ein Joch Stall und zwei Joche Scheune, was man heute noch sehr gut nachvollziehen kann. Ein freigelegtes altes Bruchsteinmauerwerk wurde freigelegt und fachlich korrekt renoviert. Für Arch. Hofmann war es wichtig, dass der Gast von diesem Haus einen authentischen Eindruck bekommt und die weiteren Informationen des Duftortes von diesem „ersten Eindruck“ geprägt sind.

Kindertagesstätte Vogelnest
Architekt Klaus-Peter Kroiss bezeichnet es als eines der schönsten Aufgaben, für die Kinder einen Lebensraum zu planen. Nach der Prüfung von zunächst drei Standortkonzepten wurde schließlich entschieden, die notwendige Erweiterung am bestehenden Kindergarten Vogelnest anzugliedern. Bedingt durch die Hanglage, der Topografie und der Stellung der vorhandenen Baukörper war es eine sehr ambitionierte Aufgabe, eine sinnvolle Erweiterung mit kurzen Wegen zu planen. Die Grundidee war dabei, eine Erschließungshalle zu planen und dadurch multifunktionale Räume zu schaffen. Obwohl dieser Zusatzbereich nicht förderfähig war, hat die Gemeinde dieser Projektidee zugestimmt. Die Gemeinde wollte ein nachhaltiges zukunftsweisendes Gebäude, deshalb wurde ein Passivhausstandard gewählt. Als Besonderheit hebt Architekt Kroiss hervor, dass die zwei Bauabschnitte über fast vier Jahre dauerten - und dies bei laufendem Betrieb! Den Kindern gefallen die Baufahrzeuge, aber für das KiTa-Personal war es eine große Organisationsaufgabe.

Rathaus
Der Rathausplanung ist ein gutes Beispiel für eine lebendige Demokratie. Seit dem Grunderwerb 2010 hat sich die Gemeinde sehr intensiv mit den verschiedensten Möglichkeiten für ein neues Rathaus befasst (Neubau / Generalsanierung Löwen / Einbau Kurhaus). Für jede Variante gab es unterschiedlich starke Unterstützung. Zahlreiche Erörterungen im Gemeinderat und mit den Bürgerinnen und Bürgern ergab durchaus einen grundsätzlichen Zielkonflikt. Nach dem Architektenwettbewerb im Oktober 2014 gab eine erste Vorstellung wie ein Rathausneubau aussehen kann. Es folgten noch viele Arbeitskreissitzungen, Gemeinderats-sitzungen, Bürgerversammlungen und ein Bürgerentscheid. Im März 2020, zeitgleich mit Corona, begannen die Aushubarbeiten und auf den Tag genau vor zwei Jahren, am 27. Mai 2020, war die Grundsteinlegung. 3 ½ Jahre nach dem Abschluss des Architektenvertrages, so resümierte Bürgermeister Theo Haslach, hat der Architektenwettbewerb gehalten, was man sich versprochen hatte und lobt die stets angenehme Zusammenarbeit. Der Architekt Michael Muffler stellte sich von Anfang an ein „ganz normales Haus“ vor, was der Region entspricht. Im Planungsverlauf war es wichtig, dass mit dem gesamten Gemeinderat eine Besichtigungsrunde verschiedener Objekte erfolgte, in deren Ergebnis wesentliche Qualitäts- und Gestaltungsmerkmale definiert wurden, woraus „ein Haus mit Seele“ entsteht. Ein Haus, das über eine menschliche Ebene Wärme in sich trägt und das den Besucher aufnimmt. Das Haus spiegelt die Zeit dieses Jahrhunderts, die Baustruktur, die sich um diesen Platz findet und damit die Identität des Ortes. Im Allgäu herrscht laut Architekt Muffler eine Natürlichkeit und nichts ist beim Gebäude künstlich aufgesetzt. Zum Schluss spendeten die beiden Pfarrer Roland Högner und Tim Sonnemeyer konfessionsübergreifend den kirchlichen Segen für das Haus, für alle, die es gebaut haben und auch für die ganze Gemeinde.

Bilder: Walter Schwarzmann